Nachhaltige Tourismus-Zertifikate
So helfen sie euch bei eurer nachhaltigen Reiseplanung. Eine nachhaltige Urlaubsplanung soll euch so leicht wie möglich gemacht werden. In diesem Beitrag erhaltet ihr daher einen Überblick über nachhaltige Tourismuszertifikate. Ihr erfahrt außerdem was es bei solchen Zertifikaten zu beachten gibt und wie ihr vertrauenswürdige Labels und Tourismuszertifikate erkennt.
Nachhaltige Tourismuszertifikate verdeutlichen das Nachhaltigkeitsbewusstsein der Akteure innerhalb der Reisewelt und deren Einsatz dafür. Allerdings muss man bei Zertifikaten im Tourismus etwas genauer hinschauen. Während sich die einen über die Säulen der Nachhaltigkeit hinaus engagieren, beziehen sich andere nur halbherzig auf diese. Insgesamt bilden Tourismuszertifikate einen guten Anfang, da sie ein paar Erfolgsmodelle hervorbringen, die anderen Destinationen und Reiseunternehmen als Vorbild dienen. Jedoch folgen bisher noch zu wenig Beteiligte diesen erfolgsbehafteten Beispielen. Der Weg zu einem flächendeckenden sanften Tourismus gestaltet sich daher noch steinig und lang.
Was ihr über nachhaltige Tourismuszertifikate und Labels wissen müsst und wie ihr diese effektiv auswählt, erfahrt ihr in diesem Überblick. Mithilfe der neugewonnenen Informationen fällt es euch vielleicht leichter, eine Entscheidung bei eurer Reiseplanung zu treffen. Seid euch jedoch bewusst, dass der sanfte Tourismus realistisch betrachtet, eher eine Idealvorstellung verkörpert. Es gestaltet sich daher schwierig, diesen in allen Einzelheiten umzusetzen. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist es umso wichtiger, dass ihr euch mit dem Thema auseinandersetzt und Projekte unterstützt, die in die richtige Richtung weisen. Seht eure anschließenden Buchungsentscheidungen als Stimmzettel und unterstützt den Wandel zu einem weitreichenden nachhaltigen Tourismus.
Licht im Dschungel der nachhaltigen Tourismuszertifikate und Labels
Warum gibt es eigentlich Gütesiegel und Zertifikate im Tourismus? Kurz beantwortet: Orientierung, Image und Vergleichbarkeit. Orientierung sollen die Zertifikate euch als Reisende geben, wenn ihr einen sanften Urlaub plant. Viele Tourismusanbieter nutzen eine Zertifizierung auch gerne aus Imagegründen, weshalb auf die Vertrauenswürdigkeit eines Gütesiegels geachtet werden sollte. Damit vermeidet ihr, auf Greenwashing hereinzufallen. Die Idee der Vergleichbarkeit ist hingegen eher ein theoretisches Ziel. Zwar lassen sich die ausgezeichneten Unternehmen und Dienstleister/-innen innerhalb eines Labels vergleichen, allerdings ist dies zwischen unterschiedlichen Zertifikaten kaum möglich. Das liegt unter anderem an unterschiedlichen Herausforderungen, die lokal bewältigt werden müssen, und uneinheitlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Geachtete Tourismuszertifikate versuchen bekanntlich, die Mindestanforderungen nationaler und internationaler Gesezte zu übertreffen.
Laut einer 2016 veröffentlichten Studie der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde existieren in Deutschland 33 Tourismuszertifikate mit 43 verschiedenen Zertifizierungssystemen. Weltweit weist die Nachhaltigkeitsplattform destinet.eu sogar 275 Label und Zertifikate aus. Bei so vielen Auszeichnungen könnt ihr schnell den Überblick verlieren. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass die unterschiedlichen Gütesiegel ungleiche Qualitätsstandards aufweisen.
Was ihr beachten müsst
Im unteren Teil des Artikels werden euch einige vertrauenswürdige Zertifikate vorgestellt. Welche Kriterien dabei beachtet wurden und was ihr bei einer eigenen Recherche beachten müsst, erfahrt ihr hier.
Transparente Vergabekriterien
Ein wichtiger Bestandteil von Gütesiegeln ist eine transparente Darstellung der Vergabekriterien. Anhand dieser Kriterien wird deutlich, ob alle Säulen der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Viele Zertifikate legen ihr Hauptaugenmerk nämlich auf ökologische Aspekte, weshalb ökonomische und soziale Kriterien oft vernachlässigt werden. Idealerweise könnt ihr eine Liste aller Kriterien kostenfrei aufrufen. Wenn dies nicht möglich ist oder es Geld kostet, solltet ihr euch gegenüber eines Labels schon etwas skeptischer positionieren. Je mehr Interessensgruppen an der Definition der Vergabekriterien beteiligt sind, desto besser. Nur wenn Einheimische, Tourismusverbände, Behörden, Wissenschaftler/-innen und touristische Dienstleister/-innen zusammenarbeiten, lassen sich umfängliche Nachhaltigkeitskriterien festlegen.
Wer vergibt das Zertifikat?
Auch die Organisation, die ein Zertifikat ausgibt, kann ein Indiz für Vertrauenswürdigkeit sein. So arbeiten staatliche Institutionen meist genau, können dafür nicht so flexibel auf neuartige oder andersartige Konzepte reagieren. Non-Profit-Organisationen zeichnen sich durch ihre Unabhängigkeit aus, wohingegen Tourismusverbände gegenteilig agieren, indem sie die Interessen von touristischen Unternehmen vertreten. Die Prüfungsqualität von privaten Unternehmen, lässt sich schwieriger beurteilen. Diese müssen schließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten handeln. Interessenskonflikte müssen aus diesem Grund vorgebeugt werden.
Überprüfung der Kriterien für nachhaltige Tourismuszertifikate
Die besten Nachhaltigkeitskriterien müssen allerdings auch gewissenhaft umgesetzt und überprüft werden. Ratet mal, welchem Zertifikat ihr mehr vertrauen solltet: Einem Zertifikat, das auf Selbstauskünfte und eine Prüfung am Schreibtisch setzt oder einem Zertifikat, das eine unabhängige Prüfung vor Ort vorsieht? Das war natürlich eine Fangfrage, die sich von selbst beantwortet. Selbstverständlich sind die Zertifikate qualitativ hochwertiger, deren Vergabestellen unabhängige Prüfer zu den touristischen Unternehmen und Unterkünften schicken. Dadurch wird es den zertifizierten Betrieben erschwert zu schummeln oder zu betrügen. Besonders zuverlässige und umfangreiche Gütesiegel werden übrigens vom Globalen Rat für Nachhaltigen Tourismus GSTC (Global Sustainable Tourism Council) anerkannt.
Zehn nachhaltige Tourismuszertifikate, denen ihr vertrauen könnt
Im Gently Travel Blog werden mit der Zeit unterschiedliche Tourismuszertifikate analysiert. Bevor es soweit ist, werden euch hier vorab zehn vertrauenswürdige Zertifikate vorgestellt. Alle hier vorgestellten Tourismuszertifikate berücksichtigen sämtliche Säulen der Nachhaltigkeit. Die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte werden von vielen Labeln durch den Punkt “Kultur” erweitert. Außerdem lassen sich die Vergabekriterien der Zertifikate kostenfrei online abrufen. Über die Verlinkungen könnt ihr euch diese meist auf Deutsch oder Englisch anschauen. Gleichzeitig sind alle Zertifikate (bis auf das ibex fairstay Label) vom Globalen Rat für Nachhaltigen Tourismus GSTC anerkannt.
Nachhaltige Tourismuszertifikate in Europa
TourCert
Primär Deutschland, Österreich & Schweiz
TourCert agiert als gemeinnützige Organisation, die Reiseveranstalter, Unterkünfte, Destinationen und weitere touristische Dienstleister/-innen auszeichnet. Die Vergabekriterien sind dabei auf unterschiedliche Leistungsträger ausgerichtet und eine unabhängige Prüfung vor Ort findet alle zwei bis drei Jahre statt. Neben den drei Säulen der Nachhaltigkeit werden zusätzlich Kriterien im kulturellen Bereich angewendet.
Österreichisches Umweltzeichen für Tourismus
Österreich & Südtirol
Das österreichische Umweltzeichen für Tourismus wird von einem österreichischen Ministerium als staatliche Institution vergeben. Kriterien im kulturellen Bereich werden zusätzlich zu den üblichen Nachhaltigkeitsaspekten berücksichtigt und eine unabhängige Prüfung vor Ort wird alle vier Jahre durchgeführt.
ibex fairstay
Primär Schweiz
Dieses unabhängige Label fokussiert sich auf Unterkünfte in der Schweiz und berät diese auch dabei, ihr Management nachhaltig auszurichten. Klassische Nachhaltigkeitsanforderungen werden zudem durch regionale Ansprüche ergänzt. Geprüft werden die Vergabekriterien alle drei Jahre vor Ort.
Internationale nachhaltige Tourismuszertifikate
Travelife
International
Mit rund 1.000 zertifizierten Reiseunternehmen und Unterkünften zählt Travelife zu den weit verbreiteten Zertifikaten. Ein britischer Tourismusverband und ein Verein, der vorwiegend nachhaltige Entwicklung in ländlichen Regionen fördert, stehen hinter Travelife. Bei der Vergabe werden auch kulturelle Aspekte berücksichtigt und eine unabhängige Prüfung vor Ort findet alle zwei Jahre statt.
Green Globe
International
Green Globe vergibt sein Zertifikat in rund 90 Ländern und kann die Tourismusorganisation der Vereinten Nationen UNWTO zu seinen Partnern zählen. Die Vergabekriterien berücksichtigen auch kulturelle Aspekte und die touristischen Dienstleister/-innen werden alle zwei Jahre unabhängig geprüft.
Green Destinations
International
Green Destinations ist eine Non-Profit-Organisation, die sich auf die Bewertung nachhaltiger Entwicklung regionaler Zielgebiete spezialisiert hat. Diese können sich mit spezifischen Projekten bewerben und ausgezeichnet werden. Der Kriterienkatalog für komplette Zertifizierungen stützt sich zusätzlich auf ein nachhaltiges Management einer Destination und berücksichtigt kulturelle Aspekte.
Fair Trade Tourism (FTT)
Afrika
Das Fair Trade Tourism Label wird aktuell in acht afrikanischen Ländern vergeben. Unterstützt wird die Organisation unter anderem von Tourism Watch von der NGO Brot für die Welt. Kulturelle Kriterien ergänzen die Säulen der Nachhaltigkeit bei den Vergabekriterien, die alle drei Jahre vor Ort überprüft werden.
Biosphere Responsible Tourism
Europa & Südamerika
Das Label von Biosphere Responsible Tourism wird in zahlreichen Ländern Südamerikas und Europas durch das unabhängige Responsible Tourism Institute vergeben. Sämtliche touristische Dienstleistungsunternehmen können das Zertifikat erhalten und werden jährlich vor Ort geprüft.
Rainforest Alliance Certificate
Südamerika
Das bekannte Label der Rainforest Alliance für landwirtschaftliche Erzeuger verfügt über eine Version für touristische Unternehmen. Vergeben wird das Zertifikat durch die gleichnamige gemeinnützige Organisation in süd- und mittelamerikanischen Ländern. Inhaber des Zertifikats werden jährlich anhand der Vergabekriterien (Unterkünfte & Reiseveranstalter) überprüft.
Certification for Sustainable Tourism (CST)
Costa Rica
Das Label Certification for Sustainable Tourism wird in fünf Stufen an touristische Dienstleister/-innen in Costa Rica vergeben. Getragen wird das Zertifikat von einer autonom agierenden Institution der costa-ricanischen Regierung, die regelmäßig die Einhaltung der Vergabekriterien überprüft.
DestiNet
Die Wissensplattform DestiNet wird von der Non-Profit-Organisation ECOTRANS betrieben. DestiNet ist registrierter Partner der Vereinten Nationen und pflegt zur Unterstützung der „Sustainable Development Goals 2030“ eine umfangreiche Datenbank mit Zertifikaten und Nachhaltigkeitsinitiativen im Tourismus.
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Mein Name ist Lukas und ich erkunde leidenschaftlich die Welt. Alles begann vor vielen Jahren mit einer Interrail-Tour quer durch Europa. Seitdem hat mich das Reisefieber gepackt. Also war es naheliegend eine Ausbildung bei einem Reiseveranstalter zu absolvieren, weshalb das Thema Reisen auch in meinen beruflichen Mittelpunkt rückte. Mittlerweile befasse ich mich vorwiegend mit alternativen und nachhaltigen Reisezielen. Mit Gently Travel möchte ich diese gerne mit euch teilen.
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