Zug fährt über Viadukt
Zugreisen machen eure Reise nachhaltiger © Tim Hill - pixabay

Sanfter Tourismus und nachhaltiges Reisen - ist das möglich?

Die Welt zu bereisen, bedeutet mehr von ihr zu verstehen. Ihr könnt auf Reisen in fremde Kulturen eintauchen und euch atemberaubende Naturwunder anschauen. Allerdings werden diese positiven Aspekte von einem dunklen Schatten verfolgt. Es handelt sich um einen Schatten aus Kohlenstoffdioxid, problematischen Arbeitsbedingungen und zerstörten Ökosystemen. Diese und weitere Punkte berechtigen dazu, den Tourismus kritisch zu betrachten. Sanfter Tourismus versucht diesen Schatten so klein wie möglich zu halten.

Ist nachhaltiges Reisen möglich?

Die Welt zu bereisen, bedeutet mehr von ihr zu verstehen. Ihr könnt auf Reisen in fremde Kulturen eintauchen und euch atemberaubende Naturwunder anschauen. Allerdings werden diese positiven Aspekte von einem dunklen Schatten verfolgt. Es handelt sich um einen Schatten aus Kohlenstoffdioxid, problematischen Arbeitsbedingungen und zerstörten Ökosystemen. Diese und weitere Punkte berechtigen dazu, den Tourismus kritisch zu betrachten. Sanfter Tourismus versucht diesen Schatten so klein wie möglich zu halten.

Wie schön wäre es also, wenn ihr eurem Reisedrang mit einem gutem Gewissen nachkommen könnt? Entsprechende Ansätze für einen sanften Tourismus gibt es bereits. Nachhaltiges Reisen wird auch als sanfter Tourismus bezeichnet, der eine nachhaltige Entwicklung verfolgt. Trotzdem bleibt die Frage, ob der Gedanke des sanften Tourismus eine realistische und umsetzbare Vision oder nur eine hoffnungsvolle Illusion verkörpert. Für eine Antwort auf diese Frage möchte ich euch näher bringen, was nachhaltiges Reisen und sanfter Tourismus bedeutet.

Die Verbindung zwischen umweltfreundlichem und nachhaltigem Reisen

Viele von euch denken vermutlich, dass es nun um umweltfreundliches Reisen geht und grundsätzlich stimmt das auch. Es gehören neben der Umweltfreundlichkeit allerdings noch zwei weitere Aspekte dazu. All diese Eigenschaften sind miteinander verbunden, weshalb von einem Nachhaltigkeitsdreieck gesprochen wird. Wie ihr bestimmt schon vermutet, besteht die erste Seite des Dreiecks aus dem Schutz der ökologischen Umwelt. 

Das wesentliche Ziel ist es, in der Umwelt bzw. Natur so wenig wie möglich aufzufallen. Unter anderem bedeutet das, Emissionen durch Auto- und Flugzeugabgase zu vermeiden, damit sich der Klimawandel verlangsamt. Selbstverständlich gehört auch dazu, dass ihr immer euren (Plastik-) Müll mitnehmt und anschließend ordnungsgemäß entsorgt, wenn ihr in der Natur unterwegs seid. Dort haben übrigens die Tiere und Pflanzen, die dort leben und wachsen, das Sagen. Verhaltet euch daher ruhig. Alle Pflanzen, jedes Sandkorn und jeder Stein erfüllt eine Aufgabe innerhalb des Ökosystems, weshalb diese an ihren angestammten Orten liegen bleiben sollen. Beliebte sonnige Reiseziele liegen oft in regenarmen Regionen, wo trinkbares Süßwasser nur als seltenes und kostbares Gut existiert. Verbraucht Wasser daher bewusst und sparsam.

Sanfter Tourismus in der Natur
Beim sanften Reisen seid ihr der Natur nah © Free Photos - pixabay

Preiskämpfe verhindern sanften Tourismus

Ergänzt wird die erste Seite des Nachhaltigkeitsdreiecks durch ökonomische Nachhaltigkeit. Diese befasst sich mit wirtschaftlichen Zielen und der Konkurrenzfähigkeit von touristischen Unternehmen sowie der Qualität von Reiseprodukten. Oft geht es dabei auch schlicht um das Überleben von kleinen Firmen in der Reisebranche. Es heißt „Konkurrenz belebt das Geschäft“ und durch zahlreiche Akteure, die mit dem Tourismus verknüpft sind, entsteht ein starker Wettbewerb. Ab einem gewissen Punkt kann Wettbewerb das Geschäft jedoch auch zerstören. Das betrifft insbesondere einen zu ausgeprägten Preiskampf. Wenn Hotels, Transportunternehmen und Reiseveranstalter zu geringe Preise anbieten müssen, bleibt ihnen nur wenig Raum, nachhaltige Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Unternehmen können nachhaltiger handeln, wenn ihr einen fairen Preis für eure Leistungen zahlt. Flugtickets für zehn Euro, siebentägige All-inclusive Urlaube für wenige hundert Euro und auch Cashback-Systeme üben Druck aus. Daran solltet ihr bei der Reiseplanung immer denken. 

Achtet am besten auch darauf, dass ihr lokale Anbieter auswählt. Diese leisten an eurem Reiseziel ihren Beitrag zur Gesellschaft. Internationale Großkonzerne zahlen hingegen kaum Steuern und beschäftigen Arbeitnehmer/-innen aus dem Ausland. Dadurch profitieren nur wenige Menschen von dem Geld, das ihr im Urlaub ausgebt. Sanfter Tourismus fördert kleine familiengeführte Unterkünfte, Restaurants von Einheimischen und lokale Tourenanbieter. Die erzielten Gewinne solch lokaler Unternehmen können eine positive und nachhaltige Entwicklung vor Ort vorantreiben und den Lebensstandard der Einheimischen verbessern.

Schild mit Aufschrift closed
Internationale Hotel- und Restaurant-Ketten verdrängen kleine familiengeführte Betriebe © Benedikt Geyer - pixabay

Unzählige Menschen sind Teil eurer Reise

Das Nachhaltigkeitsdreieck wird durch die soziale Nachhaltigkeit vervollständigt. Darunter könnt ihr in erster Linie faire Arbeitsbedingung für alle Mitarbeiter/-innen in touristischen Unternehmen verstehen. 

Im Verlauf eurer Reise trefft ihr auf viele Menschen, die durch euch und andere Touristen ihr Geld verdienen:

Schon bei eurer Reiseplanung betrifft dies Beschäftigte in Reisebüros und bei Reiseveranstaltern. Weiter geht es mit Busfahrerinnen und Busfahrern, Pilotinnen und Piloten sowie Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern bei eurer Anreise, bevor ihr auf das Personal in eurer Unterkunft trefft. An der Rezeption werdet ihr freundlich begrüßt, euer Zimmer wurde bereits nett hergerichtet und das Koch- und Servicepersonal wartet schon mit einem köstlichen Mahl auf euch. Zu einem Ausflugsziel fahrt ihr dann mit einem (Fahrrad-) Taxi oder einem Tourenanbieter. Auch dort sorgen viele Personen von der Planung bis zur Durchführung für einen reibungslosen Ablauf und ein unvergessliches Erlebnis für euch. Danach kauft ihr noch schnell ein Souvenir bei einer alten Dame auf dem Markt, esst einen Snack im Imbiss nebenan und trinkt einen Cocktail in der Bar hinter der nächsten Straßenecke.

Habt ihr noch den Überblick, wie viele Menschen ihr während eurer Reise schon getroffen habt? Vermutlich fällt euch dies schon etwas schwer.

Für all diese Menschen tragt ihr einen kleinen Teil Verantwortung mit euch. Achtet daher auf faire Arbeitsbedingungen, eine gerechte Entlohnung und die Einhaltung von Menschenrechten. Damit fördert ihr die positiven Chancen des Tourismus, der in vielen Ländern zahlreiche Arbeitsplätze schafft. Doch auch wenn es sehr einfach klingt, darauf Rücksicht zu nehmen, ist es das oftmals nicht. An vielen Reisezielen fehlen nachhaltige und sozialverträgliche Konzepte, weshalb der Ausbeutung kaum Grenzen gesetzt werden. Gleichzeitig beeinflusst ein starker Preiskampf die Umsetzung sozialverträglicher Maßnahmen. Insbesondere die Mitarbeiter/-innen kleiner Unternehmen ziehen einen spürbaren Nutzen daraus, wenn ihr ein bisschen mehr Geld auf eurer Reise ausgebt.

Orientierung beim sanften Reisen

Wie ihr seht, könnt ihr euch vor und während eurer Reise bewusst für oder gegen ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung entscheiden. Auf beiden Seiten gibt es entsprechende Reiseziele, Unternehmen und Aktivitäten. Label und Zertifikate im Bereich des sanften Tourismus bieten eine gute Orientierung, das passende Reiseziel zu finden. Welche davon am verlässlichsten sind, erfahrt ihr in diesem Beitrag und hier wie ihr einen bewussten und nachhaltigen Urlaub plant.

Infografik Reisemotive und Reiseplanung
Diese Grafik hilft euch bei der Planung einer bewussten und sanften Reise© Canva-Grafik Lukas Gehlken

Fazit

Nachhaltiges Reisen stellt immer noch eine gewisse Herausforderung dar. Die vielzähligen Teilhaber am Tourismus erschweren einheitliche Standards, welche ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit verkörpern. Doch die Motive des sanften Tourismus weisen die richtige Richtung. Damit ihr konsequent nachhaltig reist, kann es sein, dass euer Urlaub etwas teurer wird. Außerdem muss sich die Grundeinstellung in Bezug auf Nachhaltigkeit innerhalb der Reisebranche grundlegend ändern. Helft mit, die Grundeinstellung der Unternehmen und Interessensvertreter/-innen im Tourismus zu beeinflussen! Je mehr Menschen Wert auf sanften Tourismus legen, desto nachhaltiger entwickeln sich die Akteure des Tourismus. Dieses Prinzip funktioniert übrigens nur, wenn nachhaltige Angebote auch genutzt werden. Also verfolgt eure Nachhaltigkeitsziele beim Reisen intensiv!  Auch wenn eure Reise dadurch etwas teurer werden sollte. 

Günstiger, garantiert klimaschonender und teilweise auch sozialverträglicher wäre es übrigens, in eurer Heimat zu bleiben. Doch das wollen sicherlich nur wenige von euch – zumindest nicht dauerhaft. Ein bewusster Umgang mit dem Reisen führt jedoch zu einem Fortschritt. Indem ihr bewusst über eure Reisemotive nachdenkt, könnt ihr einige Handlungsweisen anpassen. Vielleicht verreist ihr dann sogar seltener. Tolle Alternativen zu euren Reiseambitionen könnt ihr auf jeden Fall in diesem Beitrag nachlesen. Richtet euch ansonsten nach dieser einfachen Faustregel: Reist lieber langsamer und länger, dafür seltener. Schnell werdet ihr in den Genuss dieser Art des Reisens kommen. Ihr werdet jeden erlebten Tag und jede Begegnung intensiver empfinden und langfristig in eurem Gedächtnis behalten!

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Wer schreibt hier?

Mein Name ist Lukas und ich erkunde leidenschaftlich die Welt. Alles begann vor vielen Jahren mit einer Interrail-Tour quer durch Europa. Seitdem hat mich das Reisefieber gepackt. Also war es naheliegend eine Ausbildung bei einem Reiseveranstalter zu absolvieren, weshalb das Thema Reisen auch in meinen beruflichen Mittelpunkt rückte. Mittlerweile befasse ich mich vorwiegend mit alternativen und nachhaltigen Reisezielen. Mit Gently Travel möchte ich diese gerne mit euch teilen.

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